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Große BDB-Delegation wirbt um Ausbildung im Handwerk

 

 

Auf Einladung von Erich Schleßmann, kommissarischer Amtsleiter des Staatlichen Schulamtes für den Main-Kinzig-Kreis, waren Axel Hilfenhaus Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hanau, sowie Andreas Ostermann, Dr. h.c. Thomas M. Reimann und Tobias Rösinger für den BDB Frankfurt Rhein Main (BDB) zu Gast bei der Schulleiter/innen-Dienstbesprechung am 27.02.2018 in der Ludwig-Geißler-Schule Hanau. Die Gelegenheit wurde genutzt, um den BDB vorzustellen und über Chancen und Perspektiven für Nachwuchs im Handwerk, vor allem im Bauhaupt- und Baunebengewerbe zu informieren.

 

Die Verantwortlichen referierten zum TOP 6 der TO über Studien- und Berufsorientierung: Nachwuchskräftesuche, -qualifizierung und Ausbildungs- bzw. Berufschancen.

 

Andreas Ostermann informierte die etwa 40 anwesenden Schulleiter/innen über den BDB Frankfurt Rhein Main. „Wir bringen den Sachverstand des Verbandes ein, wenn bau- oder berufspolitisch relevante Gesetze und Vorschriften neu formuliert oder überarbeitet werden, wir fördern die fachliche und berufliche Weiterbildung unserer Mitglieder und wir setzen uns für eine berufsqualifizierende und praxisnahe Hochschulausbildung von Architekten und Ingenieuren ein. Eine der wichtigsten Aufgaben des BDB ist die Förderung des studentischen Nachwuchses.“

 

Ostermann sagt aber auch klar und deutlich, dass ihn der Fachkräftemangel sorgt. „Kollege Reimann hat frühzeitig zu dem Problem des Fachkräftemangels mobil gemacht, wir stehen beispielsweise gemeinsam im Dialog mit der Handwerkskammer Frankfurt, mit der IHK Gießen-Friedberg, mit der Technischen Hochschule Mittelhessen und heute hier vor Ort auch gerne mit den Schulleitern/innen der zum Abitur führenden Schulen im Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau.“

 

Die Ausführungen von Axel Hilfenhaus haben im Kreis der Beteiligten Fragen aufgeworfen, die Reimann dazu veranlassen, spontan Stellung zu nehmen. „Sie fragten nach Ausbildungsbetrieben und führten aus, dass in Hanau bekannte Adressen nicht mehr existent sind. Ich darf Ihnen auch in meiner Funktion als Mitglied im Vorstand des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. (VbUH) versichern, dass wir in Hessen und besonders im Ballungsraum Frankfurt Rhein-Main Auszubildende im Bauhauptgewerbe suchen. Ich verstehe hier und jetzt, dass möglicherweise diese Information im Main-Kinzig-Kreis fehlt. Aber mit etwas Flexibilität der Auszubildenden in der Region sind ausreichend Ausbildungsbetriebe vorhanden. Kommen Sie auf uns zu, ich führe selbst ein Bauunternehmen und kann Ihnen versichern, dass auch wir in unserer Niederlassung Bad Vilbel freie Ausbildungsplätze haben!“

 

Auch die Frage nach der Kostenübernahme für sozial schwächer Gestellte  im Rahmen der Meisterprüfung ist Thema in der Runde. Hilfenhaus hat auf das Meister-Bafög verwiesen, doch Reimann ergänzt: „Die Entwicklung bei den Unternehmen ist heute schon ein Stück weiter. Oft ist es so, dass die Kosten zur Weiterbildung zum Meister oder Polier durch das Unternehmen vollständig übernommen werden. Es findet also eine finanzielle Unterstützung durch den Betrieb statt. Individuelle Betriebsvereinbarungen ermöglichen großen Gestaltungsspielraum und lassen Qualifizierung so leichter zu“, so Reimann.

 

Aus dem Plenum kommt eine weitere Frage nach der Bereitschaft, einen „fertigen“ Maurer in das duale Studium gehen zu lassen. „Natürlich unterstützen wir diesen Weg. Junge Menschen, die sich für das duale Studium entscheiden, lernen ihren Beruf von der Pieke auf, stehen in der Baugrube, arbeiten bei Wind und Wetter, wissen, was sie wollen. Das sind uns in der Bauwirtschaft die liebsten Studenten, sie haben die geringste Abbrecherquote, sie haben ein festes Ziel vor Augen.“

 

Rösinger greift den Punkt auf und macht es an seiner eigenen Person fest. „Ich habe selbst nach meinem Schulabschluss mich für die Maurerlehre entschieden, habe meine Chance genutzt und mich mit einem Studium weiter qualifiziert, weil ich gespürt habe, dass ich die richtige Berufswahl getroffen habe. Ich habe nie die Entscheidung bereut, führe heute ein größeres Architekturbüro in Frankfurt am Main. Das Bauhandwerk bietet einen nachhaltigen und sicheren Job und das kann heute nicht mehr jede Branche von sich behaupten. Nicht zu vergessen, dass der Beruf abwechslungsreich ist, ich konnte zeit meines Lebens immer wieder an neuen Projekten mitwirken kann und sehe, wie sie wachsen.“ Und der Architekt legt nach: „Es ist oft gar nicht bekannt, dass wir im Baugewerbe auch bei der Vergütung führend sind. Im 3. Ausbildungsjahr rund EUR 1.400,00 brutto und 30 Tage Urlaub sind sicher nicht überall so. Und vor Digitalisierung müssen wir im Handwerk keine Bedenken haben, das Bauwerk wird auch in Zukunft händisch errichtet werden und nicht durch den Drucker.“

 

v.l.n.r.: Stephan Rollmann, Direktor, schulfachlicher Dezernent für Gymnasien und Kooperative Gesamtschulen beim Staatlichen Schulamt in Hanau, Tobias Rösinger, Erich Schleßmann, LSAD, kommissarischer Amtsleiter des Staatlichen Schulamts in Hanau, Andreas Ostermann, Thomas M. Reimann, Günter Rau, LSAD, schulfachlicher Dezernent für die Beruflichen Schulen beim Staatlichen Schulamt in Hanau, Dr. Kurt Herget, OStD, Schulleiter der Ludwig-Geißler-Schule in Hanau

 

Auch die Tatsache, dass ein qualifizierter Polier nach abgeschlossener Lehre und Weiterbildung oft mehr verdient als ein studierter Bauingenieur ist nicht bekannt. „Das sind doch beste Berufsaussichten“, so Reimann. „Die Schule muss nicht zwangsläufig zum Studium führen, was wir auch auf Bundesebene feststellen. Ich komme gerade aus Berlin, sitze dort für Hessen im Rechts- und Wirtschaftsausschuss des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) und wir haben das Thema ausführlich diskutiert. Wir werden Sie, Schulleiterinnen und Schulleiter mit einer Imagekampagne zur Bauwirtschaft unterstützen, denn Eltern müssen wieder erfahren, wie wertvoll diese Ausbildung am Bau ist.“

 

Nach gut 2 Stunden angeregter Diskussion und dem Austausch vieler Informationen stellt der 1. Vorsitzende des BDB, Andreas Ostermann fest, dass zur Bewältigung des Fachkräftemangels auch eine stärkere Kommunikation zwischen Verbänden, Schule und Unternehmen beitragen kann und dass der BDB seinen Beitrag hierzu gerne leisten wird. Er dankt Erich Schleßmann für die Einladung und dem Schulleiter Dr. Kurt Herget, der die Räumlichkeiten in der Ludwig-Geißler-Schule zur Verfügung stellte. Herget ergreift spontan das Wort: „Das war eine spannende Bereicherung unserer Veranstaltung in meiner Schule. Ich freue mich auf weitere gemeinsame Aktivitäten in diesem wichtigen und jeden Einsatz lohnenden Arbeitsbereich.“ Ostermann resümiert:  „Herr Schleßmann, das war eine großartige Veranstaltung. Wir besuchen gerne in einem nächsten Termin eine Schule in ihrem Kreis und werden informieren“.

 

Dr. h.c. Thomas M. Reimann



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